Die Rekapitulation ist das Aufbauprinzip in Heiβenbüttels Topographien (1956). Mittels Figuren des Parallelismus reiht er Vers um Vers Verschiedenartiges aneinander (architektonische Formen, Wolkenformationen, die anonymen Gesichter der Menschenmasse, aber auch Geschichtsereignisse, Namen von Philosophen und Künstlern, sowie grammatikalische Formen und Sprachmaterial) und reduziert es mit (topo)graphischer Exaktheit auf die Textoberfläche. Diese Operation ist im Lichte des sich Mitte des Jahrzehnts etablierenden Diskurses der Pause zu betrachten: Gerade die Errungenschaften des schwindelerregenden Wirtschaftswachstums ermöglichen es, den Blick auf die nächste Vergangenheit und die gegenwärtigen Lebensformen zu richten. Zieht man die theologische Kategorie der messianischen Rekapitulation heran, auf die Agamben in seinem Buch über den Apostel Paulus zurückgegreift, so stellt man allerdings fest, dass das Fehlen eines eschatologischen Horizonts bei Heiβenbüttel die Rekapitulation in den Wiederholungen des Identischen stocken, ins Seriale ausarten lässt – auf der topographischen Oberfläche wuchern die Signifikanten. Liest Heiβenbüttel die Stadt als Text, so zeigt sich in seinen Lyriken eine – partielle, denn das Experiment bleibt aporetisch – Akzentverschiebung von der Geschichte zur Semiotik, von der Produktion zum Code (Baudrillard). Letztendlich nehmen die Topographien, die man in die Nähe der theoretischen Positionen der 1955 gegründeten Hochschule für Gestaltung Ulm rücken kann, Ansätze der postmodernen Ästhetiken vorweg.

Ricapitolazione senza messia. Le topografie di Heissenbüttel

CORRADO, Sergio
2011

Abstract

Die Rekapitulation ist das Aufbauprinzip in Heiβenbüttels Topographien (1956). Mittels Figuren des Parallelismus reiht er Vers um Vers Verschiedenartiges aneinander (architektonische Formen, Wolkenformationen, die anonymen Gesichter der Menschenmasse, aber auch Geschichtsereignisse, Namen von Philosophen und Künstlern, sowie grammatikalische Formen und Sprachmaterial) und reduziert es mit (topo)graphischer Exaktheit auf die Textoberfläche. Diese Operation ist im Lichte des sich Mitte des Jahrzehnts etablierenden Diskurses der Pause zu betrachten: Gerade die Errungenschaften des schwindelerregenden Wirtschaftswachstums ermöglichen es, den Blick auf die nächste Vergangenheit und die gegenwärtigen Lebensformen zu richten. Zieht man die theologische Kategorie der messianischen Rekapitulation heran, auf die Agamben in seinem Buch über den Apostel Paulus zurückgegreift, so stellt man allerdings fest, dass das Fehlen eines eschatologischen Horizonts bei Heiβenbüttel die Rekapitulation in den Wiederholungen des Identischen stocken, ins Seriale ausarten lässt – auf der topographischen Oberfläche wuchern die Signifikanten. Liest Heiβenbüttel die Stadt als Text, so zeigt sich in seinen Lyriken eine – partielle, denn das Experiment bleibt aporetisch – Akzentverschiebung von der Geschichte zur Semiotik, von der Produktion zum Code (Baudrillard). Letztendlich nehmen die Topographien, die man in die Nähe der theoretischen Positionen der 1955 gegründeten Hochschule für Gestaltung Ulm rücken kann, Ansätze der postmodernen Ästhetiken vorweg.
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